Eisbären gibt es auch in Island

„Hark, now hear the sailors cry, smell the sea, and feel the sky, let your soul and spirit fly, into the mystic…” (Van Morrison) Vulkanasche im Eis
Irgendwann flackert ein Foto über meinen Bildschirm: Ein Freund watet mit aufgekrempelten Hosenbeinen durchs Wasser. Der Himmel über ihm dunkelgrau, er trägt Winterjacke, Schal, Mütze… Und steuert auf einen Eisberg zu. Eigentlich ist es eine Eisscholle, aber „Wow!“, gibt es so einen Ort? Ich entdecke mehr Bilder mit mehr Eis. Der Ort liegt in Island, im Osten. Es ist eine Lagune am Fuß des Vatnajökull, dem mächtigsten Gletscher des Landes.
Seltene StilleEispanzer am Ufer Frühjahr 2012. Tickets nach Island liegen längst in der Schublade. Ganze 15 Jahre – sagt die Inschrift in meinem alten Buch – habe ich auf diese Reise gewartet. Zu viele Dinge sind passiert, die mich immer wieder davon abgehalten haben. Vor allem aber: Der Mann hat nicht mitgezogen. „Island?“ Er schüttelt sich schon beim Klang des Namens. Südländisches Blut ist schuld …sagt er! Glücklicherweise ist mein Sohn für jedes Outdoor-Abenteuer zu haben und mit seinen zwölf Jahren auch fit genug, um auf einen Vulkan zu kraxeln. Wir gehen auf Reisen. Ohne Papa.
Treibeis auf der Lagune In Island ist es gar nicht so kalt. Die Sommer sind nicht heiß, aber die Winter in der Regel auch nicht sehr streng. Tückischer sind wohl eher die Launen der Natur. Die plötzlichen Wetterumschwünge, der Wechsel vom Sonnentag zum Schneesturm und zurück in weniger als 24 Stunden. Dass das kein Ammenmärchen ist, wissen die Isländer. Von vielen Besuchern wird die Tatsache allerdings hartnäckig ignoriert. Seit 2012 gibt es – nicht nur für die Ignoranten – die 112 App mit Notruf-Button, der bei einem Anruf auch gleich ein GPS-Signal an die Slysavarnafélagið Landsbjörg, die Isländische Rettungswacht übermittelt. Zeit ist schließlich ein wesentlicher Faktor, wenn du in Not gerätst. Bilderbuchkulisse
Weil Touristenströme anschwellen und damit auch die Zahl fahrlässig verursachter Unfälle steigt, konzentriert sich die Landsbjörg nur noch auf die Rettung von Personen. Fahrzeuge werden zurückgelassen. Im Hochland, im Schnee, in Furten – wo auch immer. Ein deutliches Signal.

Heute, Anfang März 2014, bin ich wieder in Island unterwegs. Die dritte Reise in 18 Monaten. Bin ich verliebt in das Land? Ziemlich! Und wieder bin ich an diesem wundersamen Ort, dem See voller Eis. Wie ungeschliffene Edelsteine
Gestrandet Jökulsárlón heißt er. Das isländische „lón“ steht für Lagune. Es gibt mehrere Gletscherseen in der Region, aber dieser ist der populärste und der einzige mit Verbindung zum Meer. Dem Umstand ist auch das Schauspiel am nahen Strand zu verdanken. Gletschereis, das in der Lagune treibt, wird früher oder später aufs Meer hinausgespült. Je nach Windrichtung und -stärke, je nach Größe der Eisberge, werden die zurück an Land geschwemmt. Wie ungeschliffene Edelsteine liegen sie dann auf dem schwarzen Lavastrand. Das Salzwasser nagt unablässig an ihnen, die Sonne tut ihr Übriges, um bizarre Skulpturen zu formen. Die meisten haben eine rissige Oberfläche, die an Craquelé erinnert. Manche sind jedoch klar wie Glas. Golden hour
Ein kleines Malheur und ich stehe mit nassen Füßen am Strand. Macht nichts. Der Himmel ist heute so strahlend Blau und die Lagune so still und schön. Ganz anders, als bei meinen früheren Besuchen. Übrigens treiben heute auch nur wenige Eisschollen auf dem See. Kein Vergleich zu den haushohen Eisriesen, die ich hier schon beobachtet habe. Aber die Ufer sind dick mit Eis überzogen und das sieht ziemlich hübsch aus. Mit den schneebedeckten Bergspitzen im Hintergrund ist es fast schon zuviel fürs Auge. Kann die Natur Photoshop?

Wer von der Lagune zum Strand läuft, wird feststellen, dass es in Island sogar Eisbären gibt: Als Graffiti am Brückenpfeiler. Langsam verblasst es. Schade, ich liebe Graffiti!

Danke an Ronni für das Foto von mir an der Lagune!

28 Gedanken zu “Eisbären gibt es auch in Island

  1. Pingback: Unstetiges Wetter auf Island – Islandfm.gr

  2. Liebe Jutta,
    genau der richtige Artikel für einen heißen Sommertag! Tolle Bilder. Das sieht richtig knackig aus!
    Grüße
    Andreas

  3. Vielen Dank für die phantastischen Fotos und den schönen Bericht ! Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich endlich meine langersehnte ( habe seit 15Jahren einen Isländer(Pferd) und wollte endlich sehen, wo er geboren ist) komplette Islandreise mit Auto und schönen Unterkünften für uns gebucht. Aber mein Mann hat immer deutlicher gezeigt,dass er keine Lust hat. Alles wieder abgesagt ! Irgendwann flieg ich mal allein, denn ich bin fasziniert von Island . Viele Grüsse aus Nürnberg von Anja

    • Guten Morgen Anja, herzlichen Dank! Oh, du besitzt einen Isländer? Ich habe ja immer ein wenig Angst vor Pferden, finde die Tiere aber fantastisch und Isländer sind prächtig! Mach es wie ich und besuche Island tatsächlich einfach auf eigene Faust. Meine erste Reise habe ich auch ohne Mann (dem schon beim Gedanken an Island gefroren hat), aber zusammen mit meinem Sohn unternommen. Nach der inzwischen vierten Reise ist Monsieur so fasziniert von den Fotos, die ich mitgebracht habe, dass er damit liebäugelt, zumindest einmal im Sommer mit uns auf die arktische Insel zu reisen. Vielleicht kannst du eine Freundin oder ein paar andere Pferdeliebhaber für einen Trip gewinnen? Grüße nach Nürnberg aus dem frühlingshaften Münsterland, Jutta

  4. Hallo!
    Danke für die schönen Bilder und Worte.
    Nachdem ich im März 2012 in Lappland mit dem Campingbus auf Polarlichtjagd war und sehr viel Glück hatte und meinen Kindern und meiner Frau von diesen Erlebnissen vorschwärmte, war es nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Tour losgeht. Also war ich war im Oktober 2013 mit meiner großen Tochter (11) auf Island. Meiner Frau ist es zu kalt…; wie sich die Dinge doch ähneln. Wir hatten das Glück Polarlichter zu sehen, leider nicht ganz so intensiv, doch trotzdem war es ein Erlebnis. Ganz Island ist sicher ein Erlebnis und ich denke, ich halte es mit diesen Worten:

    „Es gibt nur zwei Arten von Islandbesuchern: die die wiederkommen und die die bleiben.“

    Ein tolles Land mit tollen Menschen, man muß sich einfach in diese Insel verlieben.

    • Hallo Jens,
      wow, ja, toll zusammengefasst: Es stimmt!
      Manchmal finde ich es schon schade, wenn die Interessen innerhalb der Familie auseinanderklaffen und wir darum nicht zusammen verreisen. Aber dann denke ich, sollte ein jeder auch die Freiheit genießen, hin und wieder seine Sehnsüchte auszuleben. Bei uns klappt das ganz gut und ich bin ziemlich froh darüber. Toll, dass ihr es offensichtlich auch so handhabt. Ich bin sicher, deine Tochter hat Island und die Polarlichter heiß geliebt! Mein Sohn, der mich ja schon zweimal auf die schöne Insel begleitet, aber das Himmelsleuchten noch nicht erlebt hat, möchte nun auch unbedingt wieder hin! Sonnige Grüße,
      Jutta

      • Hallo Jutta,

        ich denke, diese Freiheit gehört auch in eine gute Beziehung. Letztlich war ich ohne Familie in Lappland, in dieser Zeit hat meine Frau also die ganzen Familiengeschäfte ohne mich erledigen müssen; ich bin ihr dafür sehr dankbar.

        Ich wünsche Euch, daß Ihr die Lichter zu Gesicht bekommt. Es war ein Erlebnis, welches mich nicht mehr losläßt. Meiner Tochter geht es genauso, sie plant schon fleißig die nächste Reise, leider läßt sich das nicht immer mit der Arbeit und der Zeit vereinbaren. Seit Island ist sie jedenfalls vom Reisefieber befallen, eine Sehnsucht, die Island scheinbar in jedem von uns weckt.

        Viele Grüße

        Jens

      • Ja, Jens, auf jeden Fall!
        Wobei ich in der Vergangenheit oft ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich ohne Familie auf Reisen gehen wollte. Völlig unnötig, aber nun, das Gefühl war einfach da. Ich hoffe, du schaust bald einmal wieder hier vorbei! Viele Grüße,
        Jutta

  5. Großartig. Ich war an der Lagune total geflasht, als ich zum ersten Mal diese blauen Eisberge im Wasser hab schwimmen sehen. Es war ein windstiller bedeckter Tag. Die Sichtweite lag unter 100 m. Genauso hatte ich es mir gewünscht. Das Licht war toll und das Blau der Eisberge hob sich sehr schön vom grauen Drumherum ab. Aber ich habe natürlich nichts dagegen, Jökulsárlon auch mal bei Sonnenschein zu besuchen. :D

    • Das Irre an Island ist ja, dass Farben auch bei schlechtem Wetter einfach atemberaubend sind. Ich hatte selbst schon viel Regen, war aber immer von den leuchtenden Grün-Gelb-Brauntönen in der Natur begeistert. Und das Blau! Ach, wie viele Blautöne gibt es eigentlich?! Sonnige Grüße,
      Jutta

  6. Pingback: Island, das Meer und die Kunst aus Eisschollen

  7. Sooo schöne Bilder und ein genauso schöner Text! Ich recherchiere gerade ein bisschen für meinen ersten Island-Trip und mit Jökulsárlón werde ich mich jetzt nochmal genauer auseinander setzen. :)

    • Hallo Katharina, freut mich, vielen Dank! Für wann planst du denn deine Reise? Wenn du Fragen hast: melde dich gerne! Manuela von seiltanz.org hat ganz viel zu Island auf ihrem Blog, Christian von nordnordnord.de ebenfalls und Inka von blickgewinkelt.de reist in Kürze nach Island und wird sicher tolle Fotos und Tipps mitbringen – nur zur Info! Sonnige Grüße,
      Jutta

Heraus mit der Sprache! Ich sehe es wie Karl Popper: "Der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab."

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