Curaçao – zwischen Dushi, Okraschoten und Robinson-Feeling

“The Caribbean is an immense ocean that just happens to have a few islands in it.” Derek Walcott

Ein Stück Holland in der Karibik
Kaum 60 Kilometer trennen das südamerikanische Festland von Curaçao. Zwischen dem Kontinent und der Antilleninsel liegt jedoch eine ganze Welt. Geologisch gehört Curaçao durchaus zu Südamerika, politisch seit 1815 zum Königreich der Niederlande, ethnisch ist das Eiland ein riesengroßer Schmelztiegel. Was Besuchern bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt Willemstad zuerst auffällt, ist jedoch ganz und gar holländisch geprägt: verspielte Gebäude mit Ziergiebeln wie man sie ganz ähnlich in Haarlem, Delft oder Leiden findet. 
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Zeitzeuge

Wortgeflüster zwischen alten Mauern [Bredevoort]

„Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich“ Tschingis Aitmanov

Rembrandts Muse
Im „hintersten Winkel“ der Niederlande, im Achterhoek, liegt Bredevoort. 1.500 Einwohner, vielleicht etwas mehr oder auch etwas weniger, und eine hohe Dichte an gemütlichen Cafés. Überhaupt ist der Achterhoek, der „hintere Winkel“ der Niederlande, voller versteckter Gemütlichkeit. Und von diesseits der Grenze betrachtet immer nur einen Katzensprung entfernt. Wie Bredevoort. Bücher, open-air

Bis 1188 reicht dessen Geschichte zurück. Weiterlesen

„Kauft Mistelzweige für die Liebste!“ [Niederlande]

Charles Dickens in den Gassen von Deventer

Anhaltende Sehnsucht nach England, ein Hang zur Nostalgie und zu Dramen mit Happy End, erklären meine Liebe zu Dickens schon hinlänglich. Als Teenager verbrachte ich einige Wochen in Broadstairs, Kent, um Englisch zu lernen und wohnte in einem dieser hübschen viktorianischen Häuser, die mich auch heute noch verzaubern. Meine Landlady war der Inbegriff einer Britin mit porzellanfarbenem Teint und rot geschminkten Lippen. Natürlich trug sie Perlen zum Kostüm. Im Wohnzimmer Blümchentapete, Sessel mit Hussen aus glänzendem Chintz und kitschige Porzellanhündchen. Der Blick durch die Erkerfenster – unbezahlbar! – auf das blaugraue Meer. 

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Akrobatische Verrenkungen

De Razende Bol [Texel]

“I have been honoured to serve the whales, dolphins, seals – and all the other creatures on this Earth. Their beauty, intelligence, strength, and spirit have inspired me.” Paul Watson

De Razende Bol … „Die rasende Kugel.“ Ein ungewöhnlicher Name für eine Sandbank, die sich auf einer Fläche von knapp fünf Quadratkilometern scheinbar unberührt vor der Südspitze Texels erstreckt. Im Westen die Nordsee, im Osten die Meerenge Marsdiep, dahinter Festland. Entstanden ist das Fleckchen durch die Gezeitenströme zwischen Meer und Insel: Wenn die steigende Flut und das aus dem Marsdiep zurückfließende Wasser aufeinanderprallen, sinkt aufgewühlter Meeressand ab, schichtet sich langsam und unregelmäßig auf. Von oben betrachtet tatsächlich kugelförmig mit feisten, von Ebbe und Flut geschliffenen Armen, die sich Texel entgegenstrecken. Hier entsteht kein neues Land, vielmehr ein flüchtiger Ort. Als Spielball in der Strömung bewegt sich der Razende Bol nämlich mit einer Geschwindigkeit von ganzen 100 Metern pro Jahr auf Texel zu. Das rückt „rasend“ in die richtige Perspektive.
Akrobatische Verrenkungen
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Mein "Angry Child" heißt eigentlich "NOS Despensa"

Angry Child [Curaçao]

Sie ist knapp 64 Kilometer lang, 16 Kilometer breit, wird poetisch eine der „Inseln unter dem Wind“ genannt und gehört geographisch schon zu Südamerika: Curaçao. Das kleine Eiland in der Karibik, dessen Namen in Form schrill blau gefärbter Cocktails zum Inbegriff der Trinkkultur der 80er Jahre wurde, dessen Geschichte lange vor seiner Entdeckung durch Alonso de Ojeda im Jahr 1449 mit dem Volk der Arawak began und das heute ein Schmelztiegel der Kulturen ist, hat so etwas wie „Good Vibes“.Begegnung in den Gassen von PundaAngry eyes ...
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Spiegelbilder

Farbe bekennen! [Niederlande]

„Kunst? Kunst darf man NIEMALS studieren!“ Weil Kunst brotlos ist? Eigentlich müsste er es besser wissen. Wim van Krimpen ist Galerist in Amsterdam, lebt von der Kunst und für die Kunst. Kennt sich aus in der Welt der alten und neuen Meister. Er war Interims-Direktor der Kunsthal Rotterdam, dann Direktor des Fries Museum in Leeuwarden und leitete schließlich die Geschicke des Gemeentemuseum Den Haag. Ganze acht Jahre lang. Eindrucksvolle Stationen. Colour blocking
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Liebe ist käuflich [Texel]

Ein Haus mit wechselvoller Vergangenheit. Einst wohnte hier der Küster, dann diente es Seefahrern, wettergehärteten Fischern und gewieften Händlern als Herberge. Auch einem Kupferschmied gehörte das geduckte Gebäude mit der ockergelben Backsteinfassade und dem grün gestrichenen Giebel einmal. In vier Jahrhunderten wurde die Schwelle so tief ausgetreten, dass sie heute eins ist mit dem schön gekachelten Boden. Das Dach senkt sich unter der Last der Jahre. Würden wir den alten Mauern zuhören, sie flüsterten uns ihre Geschichten zu: von ehrbaren Bürgern, von jungen Bräuten und lachenden Kindern, von Tagedieben und Halunken. Heute betreibt Daniëlle an der Kerkstraat, der Kirchstraße, ihr Gewerbe. Amsterdam-Rijksmuseum-Seefahrer-IMG_6998
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Aussicht aufs Wattenmeer

Allein im Pipowagen [Texel]

Im wahren Leben arbeitet Job als Redakteur beim „Texelse Courant“. Dass Paal 17 zum besten Strandpavillon der Niederlande gekürt wurde oder dass man im Boutique Hotel Texel neuerdings ein Bad in Schafswolle nehmen kann: der 30-jährige weiß es als Erster. Er ist Experte, der Mann vom Fach sozusagen. Job ist Horeca-Korrespondent auf der westfriesischen Insel. Flora und Fauna sind da eigentlich weniger sein Ding. Doch vielleicht ist es sogar besser, ein unbeschriebenes Blatt zu sein, um sich auf das kleine Abenteuer einzulassen. Das Abenteuer? Wattwächter. Die Aufgabe: Besuchern von der Vogelwelt Texels zu erzählen, von der Insel im Allgemeinen, vom Wattenmeer. Und ganz nebenbei auch ein wachsames Auge auf die empfindliche Natur und ihre Bewohner haben.Windmühle Het Noorden bei Utopia
Job Schepers tauscht also Anfang Mai Tastatur gegen Fernglas, den Schreibtisch gegen ein Etagenbett im mobilen Wattwächterhäuschen am Deich. Alltag gegen Utopia. Sechs Tage, fünf Nächte. Allein im „Pipowagen“. Weiterlesen

Strandräubermuseum Flora in De Koog

Von Seefahrern, Strandräubern und einem goldenen Ohrring [Texel]

Es ist das Goldene Zeitalter der Niederlande: Reformation, kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Die nördlichen Provinzen der Niederlande lösen sich vom habsburgischen Spanien und schließen sich zur Republik der Sieben Vereinigten Provinzen zusammen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Stadt, den Bauern und Landarbeitern gehört je nach Provinz gut 40 Prozent der Äcker und Weiden. Ein Zustand, der im damaligen Europa einzigartig ist.

Während die Hanse auf ihren Niedergang zusteuert, häufen niederländische Kaufleute im Ostseehandel Vermögen an. Ihre Schiffe sind kleiner und wendiger als die der Konkurrenz. Und sie brauchen weniger Besatzung.

Dann wird es den Niederländern in der Ostsee zu eng.Niederlande-Texel-DeKoog-Strandgut-Jutters_MG_0903
The sea, once it casts its spell, holds one in its net of wonder forever. (Jacques Yves Cousteau) Weiterlesen

An Leidens Grachten

Die tätowierte Stadt [Leiden]

Monsieur hat unlängst die Branche gewechselt: von Heavy Metal zu Samt und Seide. Himmel! Pulsbeschleuniger für jedes Frauenherz. Ich träume heimlich, dass wir nach 14 Ehejahren nun endlich gemeinsam durch die Edelboutiquen dieser Welt streifen oder – ungleich besser – durch schicke Vintage-Läden. Während ich meinen Gedanken nachhänge, balanciere ich am Kanal entlang, zwischen parkenden Autos hindurch, um das ein oder andere Haus am gegenüberliegen Kai abzulichten. Das will nicht so recht gelingen: Es ist diesig und am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Über Leiden färbt sich der Himmel grau. An Leidens Grachten Weiterlesen