Wie geht gutes Leben?* [Steiermark]

Zimmer frei!
Gutes Leben … Ja, wie geht das eigentlich? Während mancher für (s)ein „gutes Leben“ Überfluss braucht und von einem Superlativ zum nächsten rauscht, sind es für andere die kleinen Dinge. Das Unscheinbare, Leise. Ich gehöre zu Letzteren. Ich mag das Unaufdringliche, Schönheit im Detail, die sich vielleicht erst auf den zweiten oder dritten Blick erschließt. Ob von der Natur geschaffen oder von Menschenhand ist dabei ganz gleich: Die Umgebung muss mir ein gutes Gefühl geben. Das ist wichtig und auf jeden Fall ein guter Einstieg in „gutes Leben“. Glaube ich. In China heißt es übrigens, das Leise habe eine starke Stimme. Weiterlesen

Oh, Vienna! [Wien]

Vom Altstadt Vienna durch den siebten Wiener Bezirk – ein Streifzug
Wer im siebten Wiener Bezirk lebt, will dort nicht mehr weg. Angesagt, eigenwillig, ein Dorf mitten in der Stadt. Hier hat sich eine kreative Szene ausgebreitet, für die man auch gerne einen Blick in die Durchhäuser und Innenhöfe wagen darf. Denn dort verbirgt sich hinter manch unscheinbarer Fassade Großes.

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I | am | sterdam [Amsterdam]

„But words are water in Amsterdam, they flood your ears …“ Jessie Burton
Passé, aus, vorbei: Das ikonische Streetsign hinterm Rijksmuseum in Amsterdam ist Geschichte. Angeklagt, verurteilt, am 3. Dezember 2018 demontiert.

Doch warum eigentlich? Schließlich gehörten die zehn Lettern zu den beliebtesten Fotospots der niederländischen Hauptstadt. Ein Magnet für Besucher. Doch genau das wurde zu einem Problem. Das Iamsterdam-Sign fördere Massentourismus und signalisiere falsche Werte, so die Kritik. Bis zu 6000 Besucher waren es zuletzt, die sich hier täglich um den besten Platz fürs Selfie drängelten. Klick und weg.

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Die glückselige Insel [Madeira]

“She was a wild one, but some of us need the storm to feel safe.” Atticus

Ob wir es an diesem Tag noch auf die Insel schaffen werden, bleibt ungewiss. Der Flugverkehr zwischen dem portugiesischen Festland und Madeira wird ausgesetzt. Schuld daran ist der Wind. Er, der dort draußen auf dem Atlantik so viel rauer weht und nur selten innehält. Als Passat streift er das Eiland mit einer beruhigenden Verlässlichkeit. Ein Umstand, der Segelschiffen seit Entdeckung der „neuen Welt“ eine zügige Überquerung des Ozeans ermöglicht. Doch heute sind die Winde zu einem echten Sturm herangewachsen und an eine zügige Weiterreise ist zunächst nicht zu denken. Wir sitzen fest in Lissabon.

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Im Bärental [Trentino]

“How glorious the greeting the sun gives the mountains!“ John Muir

Unter mir ein blaugraues Meer, aufgewühlt, mit weißen Kronen. Ohne Anfang, ohne Ende. Am Horizont verschmilzt es mit dem Blau des Himmels. Meine Augen vermögen das eine nicht vom anderen zu unterscheiden. Doch was ich durchs kleine Kabinenfenster beobachte, ist nicht der Ozean. Vielmehr sind es die Alpen. Ein steinernes Meer, die gezackten Gipfel umspielt vom Dunst. Karg, kühl, abweisend. Dass an den südlichen Hängen der Herbst gerade sein goldenes Blätterkleid über die Landschaft gelegt haben soll, kann ich mir noch nicht so recht vorstellen. Weiterlesen

Entzückender Wegweiser durchs Museum: Mops Anna, Figur aus einer Rokoko-Gruppe

Weißes Gold – Museum Schloss Fürstenberg [Niedersachsen]

“Alles vollkommen in seiner Art muss über seine Art hinausgehen.” Johann Wolfgang von Goethe

Nur wenig mehr als 1000 Einwohner zählt der Ort am Rande des Sollings mit dem schönen Blick auf die Weser, die hier in großzügigen Schleifen eine Grenze zwischen Westfalen und Niedersachsen zieht. In der Ebene die Flussauen, auf der Anhöhe ein Flickenteppich aus Äckern und Wiesen. Die Landschaft wirkt an diesem Herbsttag wie getuscht. Firmenschilder aus Porzellan - bien sûr! Weiterlesen

Zeitzeuge

Wortgeflüster zwischen alten Mauern [Bredevoort]

„Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich“ Tschingis Aitmanov

Rembrandts Muse
Im „hintersten Winkel“ der Niederlande, im Achterhoek, liegt Bredevoort. 1.500 Einwohner, vielleicht etwas mehr oder auch etwas weniger, und eine hohe Dichte an gemütlichen Cafés. Überhaupt ist der Achterhoek, der „hintere Winkel“ der Niederlande, voller versteckter Gemütlichkeit. Und von diesseits der Grenze betrachtet immer nur einen Katzensprung entfernt. Wie Bredevoort. Bücher, open-air

Bis 1188 reicht dessen Geschichte zurück. Weiterlesen

Betörend oder ekelhaft?

Austern vor Vlieland [Niederlande]

Gemütliche Spaziergänge sind nicht sein Ding. Zu ihm passt ein schneller Schritt. Energisch, zielgerichtet. Und die Liebe zu Wind und Wolken. Wolken, die Geschichten in den Himmel schreiben. Und dazu Bilder von dramatischer Schönheit malen. Flüchtig, darum muss man eilen. Es ist Herbst. Hier fährt man Omafiets
„Uitwaaien“ im Watt

Vlieland liegt heute unter einer dicken Wolkendecke begraben. Von Dramatik und Schönheit jedoch keine Spur. Weiterlesen

Akrobatische Verrenkungen

De Razende Bol [Texel]

“I have been honoured to serve the whales, dolphins, seals – and all the other creatures on this Earth. Their beauty, intelligence, strength, and spirit have inspired me.” Paul Watson

De Razende Bol … „Die rasende Kugel.“ Ein ungewöhnlicher Name für eine Sandbank, die sich auf einer Fläche von knapp fünf Quadratkilometern scheinbar unberührt vor der Südspitze Texels erstreckt. Im Westen die Nordsee, im Osten die Meerenge Marsdiep, dahinter Festland. Entstanden ist das Fleckchen durch die Gezeitenströme zwischen Meer und Insel: Wenn die steigende Flut und das aus dem Marsdiep zurückfließende Wasser aufeinanderprallen, sinkt aufgewühlter Meeressand ab, schichtet sich langsam und unregelmäßig auf. Von oben betrachtet tatsächlich kugelförmig mit feisten, von Ebbe und Flut geschliffenen Armen, die sich Texel entgegenstrecken. Hier entsteht kein neues Land, vielmehr ein flüchtiger Ort. Als Spielball in der Strömung bewegt sich der Razende Bol nämlich mit einer Geschwindigkeit von ganzen 100 Metern pro Jahr auf Texel zu. Das rückt „rasend“ in die richtige Perspektive.
Akrobatische Verrenkungen
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Night train - Foto von Blaise Adilion

Imagine [Lyon]

„Art is not a special thing. Anyone can do it“. Yoko Ono
Kunst hat mich schon als Kind berührt. Dabei war meine Familie nicht sonderlich kunstsinnig. Aber Museums- und Ausstellungsbesuche gehörten doch zum festen Repertoire sonntäglicher Aktivitäten.

Manchmal hat Kunst mich eingeschüchtert, mir regelrecht Angst gemacht … Nicht die überbordenden, rätselhaften Gemälde eines Hieronymus Bosch mit ihren düster prophetischen Szenen. Eher der Gedanke, Kunst nicht richtig zu verstehen. Und mich nicht angemessen darüber Kunst unterhalten zu können. Einblicke
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