Night train - Foto von Blaise Adilion

Imagine [Lyon]

„Art is not a special thing. Anyone can do it“. Yoko Ono
Kunst hat mich schon als Kind berührt. Dabei war meine Familie nicht sonderlich kunstsinnig. Aber Museums- und Ausstellungsbesuche gehörten doch zum festen Repertoire sonntäglicher Aktivitäten.

Manchmal hat mir Kunst jedoch Angst gemacht. Nicht die überbordenden, rätselhaften Gemälde eines Hieronymus Bosch mit ihren düster prophetischen Szenen. Mir hat der Gedanke Angst gemacht, Kunst nicht richtig zu verstehen. Und mich nicht angemessen über Kunst unterhalten zu können. Einblicke
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Mein "Angry Child" heißt eigentlich "NOS Despensa"

Angry Child [Curaçao]

Sie ist knapp 64 Kilometer lang, 16 Kilometer breit, wird poetisch eine der „Inseln unter dem Wind“ genannt und gehört geographisch schon zu Südamerika: Curaçao. Das kleine Eiland in der Karibik, dessen Namen in Form schrill blau gefärbter Cocktails zum Inbegriff der Trinkkultur der 80er Jahre wurde, dessen Geschichte lange vor seiner Entdeckung durch Alonso de Ojeda im Jahr 1449 mit dem Volk der Arawak began und das heute ein Schmelztiegel der Kulturen ist, hat so etwas wie „Good Vibes“.Begegnung in den Gassen von PundaAngry eyes ...
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War is Over. If you want it.

War is over. If you want it. [Lyon]

Unlängst im MAC Lyon. Weil es immer aktuell ist …
War is Over. If you want it.
Als er 1969 gefragt wurde, was US-Präsident Nixon tun solle, um den Krieg in Vietnam zu beenden, starrt John Lennon ungläubig in die Kamera des Reporters und erwidert: „He should declare peace!“ Als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt. So einfach. So brillant. Weiterlesen

Der Mann und seine Lopapeysa

All you (need) knit is love … [Island]

Sie sind grob und rau, zeigen grafische Muster, halten warm und trocken, pieksen auf nackter Haut. Wer behauptet, dass sie nach Schaf müffeln, hat leider keine „echte“ erwischt. Lopapeysur sind hipp. Spätestens seit die Insel im Nordatlantik als permanenter Punkt auf unserem Radar erscheint, ist der Island-Pullover salonfähig. Und zum Inbegriff eines Lebensgefühls geworden: Attitude der Isländer, Launen und Schönheit der Natur scheinen Faden für Faden verstrickt zur Ikone einer ganzen Nation. Der Mann und seine Lopapeysa
© Guiseppe Paduano

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Requisite XL für Stiller

Mensch, geh doch mal ins Theater! [Bochum]

„Bühneneingang“. Unscheinbar prangen die Lettern am kleinen Vordach. Die Metalleinfassung ist schmucklos und etwas ramponiert, erinnert daran, dass das Gebäude aus den 1950er Jahren stammt. Ein roter Monolith in eigenwilliger Form, der den Platz zwischen Bochums Königsallee und Saladin-Schmitt-Straße ganz für sich beansprucht. Früher stand hier ein Varieté, das nach zwei ebenso kurzen wie erfolglosen Jahren schließen musste. Dessen Nachfolger, das Stadttheater, schrieb eine ganz andere Geschichte. Aber auch hier gab es kein Happy End. Nach Aufstieg, Ruhm und Ehre kommt die Tragödie: Das Gebäude wird 1944 zerbombt. Erst 1953 eröffnet an gleicher Stelle das neue Schauspielhaus. Gebaut nach Plänen von Gerhard Graubner. Heute steht der rote Backsteinbau unter Denkmalschutz. 
Bühneneingang

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Stories untold… [Färöer]

Eirik Suni Danielsen trägt sein graues Haar kurz. Eine gepflegte Erscheinung in Jeans, Hemd und dunkelblauem Pullover. Zurückhaltend, aufmerksam. Typ Cary Grant. Vor 11 Jahren hat er die Jugendherberge im Dorf gekauft, modernisiert, angebaut und in ein kleines rustikales Hotel verwandelt. Reisenden wie mir bietet das Gjáargardur großzügige Zimmer in Blockhäusern mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Bucht von Gjógv. Und eine fantastische Küche. Den Dörflern dient es als Tante-Emma-Laden. Im Gjáargardur deckt man sich mit frischer Milch und Brot ein, denn einen Bäcker oder anderen Laden gibt es hier schon lange nicht mehr. Nur rund 30 Menschen leben dauerhaft im Dorf. Selbst Eirik pendelt lieber zwischen Gjógv und dem 65 Kilometer entfernten Tórshavn. 
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Ruby [Momentaufnahme]

Ruby Johannesen lebt auf Mykines, der westlichsten der Färöer Inseln, als eine von aktuell 11 ständigen Bewohnern. Ja, richtig: 11. Ihre Eltern kamen ums Leben als Ruby zwei Jahre alt war. Damals nahm ihre Großmutter sie mit nach Mykines. In einer Kiste.

Ich traf Ruby im vergangenen August, verbrachte Stunden in ihrem Haus und ließ mir von ihrem Leben erzählen. Ihre Geschichte und die anderer Färinger, die ich während meiner kurzen Reise in den entlegenen Archipel im Nordatlantik traf, sollten schon lange hier auf dem Blog stehen. Aber ich tu mich schwer. 
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70.000 Schafe zählen die Färöer

Schafe im Schnee* [Färöer]

„Pass auf die Schafe auf!“, warnt der junge Mann am Autoverleih als er mir die Schlüssel in die Hand drückt. „Ja, mache ich. Ich kenne das aus Island.“ Er nickt, lächelt, wünscht mir gute Fahrt.

Die Warnung ist nicht grundlos. Ganze 70.000 der eigenwilligen Vierbeiner bevölkern die zerklüfteten Eilande im Nordatlantik, deren Name nichts anderes als „Schafsinseln“ bedeutet. Bei nur 48.000 Färingern sind das eine ganze Menge. 70.000 Schafe zählen die FäröerSchafe im Nebel
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Spiegelbilder

Farbe bekennen! [Niederlande]

„Kunst? Kunst darf man NIEMALS studieren!“ Weil Kunst brotlos ist? Eigentlich müsste er es besser wissen. Wim van Krimpen ist Galerist in Amsterdam, lebt von der Kunst und für die Kunst. Kennt sich aus in der Welt der alten und neuen Meister. Er war Interims-Direktor der Kunsthal Rotterdam, dann Direktor des Fries Museum in Leeuwarden und leitete schließlich die Geschicke des Gemeentemuseum Den Haag. Ganze acht Jahre lang. Eindrucksvolle Stationen. Colour blocking
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Liebe ist käuflich [Texel]

Ein Haus mit wechselvoller Vergangenheit. Einst wohnte hier der Küster, dann diente es Seefahrern, wettergehärteten Fischern und gewieften Händlern als Herberge. Auch einem Kupferschmied gehörte das geduckte Gebäude mit der ockergelben Backsteinfassade und dem grün gestrichenen Giebel einmal. In vier Jahrhunderten wurde die Schwelle so tief ausgetreten, dass sie heute eins ist mit dem schön gekachelten Boden. Das Dach senkt sich unter der Last der Jahre. Würden wir den alten Mauern zuhören, sie flüsterten uns ihre Geschichten zu: von ehrbaren Bürgern, von jungen Bräuten und lachenden Kindern, von Tagedieben und Halunken. Heute betreibt Daniëlle an der Kerkstraat, der Kirchstraße, ihr Gewerbe. Amsterdam-Rijksmuseum-Seefahrer-IMG_6998
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