Pure Poesie

Gischt aus Glas [Reykjavík]

Wer Harpa verstehen will, muss zuerst Island bereisen. Muss sich einlassen auf die Launen des Landes und seine Farben, die unter tief hängenden Wolken so viel intensiver leuchten als im gleißenden Licht der Sonne. Muss dem Meer mutig – ja, tatsächlich, Mut braucht man – gegenübertreten und die Gischt der Wellen, die in Island niemals sanft ausrollen, auf der Haut spüren. Eiskalt und mehr als nur feiner Nebel. Und er muss Demut zeigen im Angesicht der bizarren Kathedralen aus Stein, jenen Kunstwerken der Natur, die wie präzise gemeißelte Säulen durch die Erdkruste brechen. Stumme Zeugen längst vergessener Vulkanausbrüche. Und doch so beredt.

Islands Natur erzählt Geschichten. Wer ihr zuhört, beginnt zu verstehen. Weiterlesen

Szene aus "No Exit"

No Exit – Guido van Heltens poetische Portraits [Reykjavík]

Reykjavík ist voller Häuser, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Das Wetter ist gnadenlos. Feuchtigkeit und Frost nagen an Fassaden, am Putz, an den Fensterrahmen. Wer es sich leisten kann, kämpft gegen die Zerstörungswut der Elemente und hübscht auf. Aber wer kann das heute in Island schon? 
„Ich mag verwitterte Oberflächen oder bröckelnde Wände wirklich. Es ist als würde ich mir die Textur ausleihen und nutzen, um meine Kunst besser zu machen. Ein Gemälde auf einer weißen Wand ist eben nur ein Gemälde. Ein Gemälde auf diesen beschissenen alten Wänden ist mehr als das“, sagt Guido van HeltenWeiterlesen

Life is a comic (s)trip [Brüssel]

1929 entspringt er der Feder von Hergé, erobert die Herzen der belgischen Jugend im Sturm und ist heute vermutlich der bekannteste Reporter der Welt: Tintin. Den sommersprossigen Rotschopf kennen wir als Tim, die bessere Hälfte von Tim und Struppi. Einer von vielen Comic-Helden, die Brüssels Häuserfassaden bevölkern und sie um einiges bunter machen.  Weiterlesen

Saustark [Momentaufnahme]

Tote Tiere in der Stadt: Sie hängen kopfüber, liegen auf dem Rücken oder sind halb verrottet. Überdimensional und (meist) schwarz-weiß gestrichelt kriechen Ratten, Hasen und anderes Getier über Häuserwände in Berlin und London, Köln oder Brüssel. Werke des Belgiers ROA Weiterlesen

Palais Rohan

La vie est belle! [Straßburg]

Über Straßburg wurden ganz gewiss schon mehr Geschichten geschrieben, als die Stadt Einwohner hat: Geschichten über das Mittelalter und La Petite France mit ihren charmanten, schiefen Fachwerkhäusern, in denen einst Gerber ihrem Handwerk nachgingen. Über die Patrizierhäuser im Pariser Stil und das prächtige Palais Rohan, erbaut als fürstbischöfliche Residenz von einem der Versailler Architekten. Heute residieren drei bedeutende Museen im Palast. Dass Johannes Gutenberg hier am Buchdruck tüftelte, dass der Künstler Hans Arp – dessen Name nicht nur deutsch anmutet, sondern es auch ist – einer der prominenten Söhne der Stadt ist oder dass hier 1792 das Lied der französischen Rheinarmee komponiert wurde, seitdem zur Nationalhymne avancierte und besser bekannt ist als Marseillaise: All das gibt es mannigfach schwarz auf weiß. Nicht zu vergessen epische Berichte über die europäischen Institutionen und die Perle der Stadt, das Straßburger Münster.Palais Rohan
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Liebe auf den ersten Blick [Heidelberg]

Mit Heidelberg und mir war es Liebe auf den ersten Blick. Kein heißer Flirt, sondern eine dauerhafte Beziehung. Wir hatten eine tolle Zeit. Dabei bin ich damals ziemlich blauäugig in die Neckarstadt gefahren, habe mich eingeschrieben – Am besten irgendetwas mit Sprachen und Literatur?! – und mich erst dann gefragt, wie es wohl um den Wohnungsmarkt bestellt ist. Ganz nach dem Motto: Hier bin ich, hier bleib ich, ein Bett wird sich finden. Tatsächlich hielt ich nur wenig später einen Zettel mit einer viel versprechenden Adresse in der Hand: fußläufig zur Uni, Nähe Philosophenweg. Leider gänzlich in 70er-Jahre-Braun und -Orange gewandet. Ich habe mir selbst versichert, dass man mit Pinsel, Farbe und Fantasie durchaus etwas gegen „Retro ohne Charme“ ausrichten kann und bin abends mit einem gewichtigen Mietvertrag in der Tasche heimgefahren. 
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Wie ein galoppierendes Pferd [Frankreich]

« …à la vitesse d’un cheval au galop » Der Schriftsteller Victor Hugo soll diese poetischen Worte gefunden haben für die Flut, die den Mont Saint Michel im Wechsel der Gezeiten umbrandet und aus dem kleinen Klosterberg eine Insel macht. In Wahrheit wird der Mont Saint Michel heute nur selten völlig vom Meer umspült, aber imposant ist er auch so. Frankreich-Normandie-Raps-6GradOst_MG_1403
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Streifzüge durch den Pott [2] – Alles altes Eisen

Aufstieg, Blüte, Niedergang. Am 4. April 1985 ist alles Geschichte. Nur die Landschaft ist nicht mehr wie sie war. 84 Jahre nach Gründung durch August Thyssen ist Schicht im Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Auf 200 Hektar gammeln die mächtigen Industriebauten nun vor sich hin. Und die Natur schlägt zurück.  Weiterlesen

An Leidens Grachten

Die tätowierte Stadt [Leiden]

Monsieur hat unlängst die Branche gewechselt: von Heavy Metal zu Samt und Seide. Himmel! Pulsbeschleuniger für jedes Frauenherz. Ich träume heimlich, dass wir nach 14 Ehejahren nun endlich gemeinsam durch die Edelboutiquen dieser Welt streifen oder – ungleich besser – durch schicke Vintage-Läden. Während ich meinen Gedanken nachhänge, balanciere ich am Kanal entlang, zwischen parkenden Autos hindurch, um das ein oder andere Haus am gegenüberliegen Kai abzulichten. Das will nicht so recht gelingen: Es ist diesig und am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Über Leiden färbt sich der Himmel grau. An Leidens Grachten Weiterlesen

Spritztour durch Amsterdan

Spritztour [Momentaufnahme]

Lieblingsbild aus 2013. Aufgenommen an einem Samstag im Februar, irgendwo in Amsterdam. Ein Mini, eine Frau, eine rote Ampel. Während die auf Gelb, dann auf Grün umschaltet, rutscht der Vierbeiner auf dem Beifahrersitz in die Pole-Position: Schnauze raus, Fahrtwind genießen!
Spritztour durch Amsterdan
Foto als XL-Print auf Aludibond? Gibt es bei Cewe.