Stories untold… [Färöer]

Eirik Suni Danielsen trägt sein graues Haar kurz. Eine gepflegte Erscheinung in Jeans, Hemd und dunkelblauem Pullover. Zurückhaltend, aufmerksam. Typ Cary Grant. Vor 11 Jahren hat er die Jugendherberge im Dorf gekauft, modernisiert, angebaut und in ein kleines rustikales Hotel verwandelt. Reisenden wie mir bietet das Gjáargardur großzügige Zimmer in Blockhäusern mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Bucht von Gjógv. Und eine fantastische Küche. Den Dörflern dient es als Tante-Emma-Laden. Im Gjáargardur deckt man sich mit frischer Milch und Brot ein, denn einen Bäcker oder anderen Laden gibt es hier schon lange nicht mehr. Nur rund 30 Menschen leben dauerhaft im Dorf. Selbst Eirik pendelt lieber zwischen Gjógv und dem 65 Kilometer entfernten Tórshavn. 

Við Gjógv heißt wörtlich „bei der Felsspalte“. Ein natürlicher Hafen, eine schmale Bucht, die sich tief in den Felsen eingräbt, hat der nördlichsten Gemeinde der färöischen Insel Eysturoy ihren schlichten Namen gegeben. Mit Bjørg Jacobsen stehe ich auf dem Grat und blicke hinunter ins stille Wasser. Bjørg ist Anthropologin und unterrichtet an der Universität von Tørshavn, spricht beschämend gut Deutsch und scheint alles über das Leben und die Leidenschaften der Färinger zu wissen. Über deren Geschichte sowieso. 
„Mit der Winde werden die Boote zu Wasser gelassen. Die wenigen, die es hier noch gibt.“ Bjørg zeigt hinunter auf einen Mechanismus aus rostigem Metall, der schnurgerade von der Straße zum Wasser führt. Wir steigen hinab, nehmen den (einzigen) Weg ins Dorf, vorbei an Häusern mit bunten Dächern. Viele sind schwarz gestrichen. Früher hat man Teer benutzt, um das kostbare Holz gegen Feuchtigkeit zu imprägnieren. Heute ist es meist billigere Farbe, die allenfalls dekorativen Charakter hat. Das Holz wird jetzt importiert. Die Zeit mühsamen Treibgutsammelns ist passé. Hübsch sind die Häuser allemal. Schlicht. Aber schön anzusehen. Einige sind traditionell mit Grassoden gedeckt. Damals wie heute ein günstiger Baustoff, der auf einer Lage Birkenrinde ausgelegt wird und das Dach isoliert. An einem der Häuser halten wir, klopfen kurz. Bjørg steckt den Kopf durch die Tür und ruft „Hallo, ist jemand da?“ 

„Wir machen das so. Wenn jemand zuhause ist, ist es gut. Sonst ist es auch gut.“ Das Haus gehört Friðrika Kristiansen, die uns ohne Umstände herein bittet. Unsere Schuhe bleiben im Flur. Wir laufen auf Socken weiter.

In der guten Stube hängen Fotografien von Friðrikas vier Kindern, den drei Enkeln, ihrem Mann. „Meine Tochter arbeitet auf der Norröna, mein Mann hat ein Schiffsführerpatent. Irgendwie leben wir alle vom Meer.“ Perspektiven gäbe es auf den Färöern wenige, darum verließen junge qualifizierte Menschen wie Krankenschwestern oder Ingenieure die Inseln für bessere Jobs in Dänemark oder Norwegen. Bjørg nickt. Wir knabbern an fettig glänzenden, dick gezuckerten Pfannkuchen und philosophieren über das Leben in Gjógv. 30.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr hierher. Eigentlich sollte das doch eine gute Einnahmequelle für das Dorf sein. Trotzdem gäbe es kein Café, keinen Souvenir-Shop, keinen Briefkasten für eine Postkarte. Das Leben steht hier still. Friðrika klingt enttäuscht.

Wie viele Färinger betreibt auch Friðrikas Familie Schafzucht. Um rund 50 Schafe kümmern sich Geschwister, Schwager, Nichten und Neffen. Nebenbei. Denn seinen Lebensunterhalt könne damit niemand bestreiten. Überhaupt würde das Landleben nicht romantisiert rückt Bjørg mein Bild von den Inseln zurecht. Die Menschen strebten in die Stadt. 
Die Stadt, das ist auf den Färöern Tórshavn. Hauptstadt, Regierungssitz. Knapp 20.000 Einwohner. Hier bin ich mit Óli Nielsen unterwegs. Óli, der früher als Steinmetz gearbeitet hat, trägt einen Hut mit breiter Krempe und liebt Musik. Wir streifen durch die engen, gewundenen Gassen der Altstadt. Ich lerne, dass es ganze 28 Chöre und 65 Bands auf den Färöern gibt. Ein Volk der Musiker und Literaten seien sie. Der Kettentanz – überliefert aus dem Mittelalter – ist bis heute lebendig. Mit ihm sind Balladen über Könige, Heldentaten und die Liebe in über 70.000 Versen verwoben.

Während meine Gedanken um die kaum fassbare Zahl kreisen, hält Óli unvermittelt inne: Ob ich einer dieser Aktivisten sei, will er wissen. Ich verneine. Auf den Färöern tangiert jedes Gespräch früher oder später den Grindadráp, den Grindwalfang. Ein Thema, an dem sich die Welt entzweit. Wir stehen zwischen den alten Häusern. Und Óli erzählt: Wie viele Wale er im Laufe seines Lebens getötet habe, wie sich die Haut der Wale anfühlt, dass sie quietscht wie Latex, wenn die Walleiber aneinander reiben. Dass ihr Blut – für lange Tauchgänge – mehr Sauerstoff bindet als ein Landsäugetier und darum besonders intensiv rot gefärbt ist. Óli erzählt wie das Walfleisch unter allen färöischen Familien verteilt wird. Es dient der Selbstversorgung. Kommerziellen Walfang gibt es auf den Färöern nicht. 

Die Größe eines Wals würde nach Häuten bemessen und jedes Stück – Blubber, Haut, Fleisch, Knochen – genutzt. Wir sprechen über Proteste, Bilder in den Medien, die öffentliche Meinung, über Tradition. Und die Zukunft. Wir sprechen darüber, dass Walfleisch von Schwermetallen stark belastet ist, dass die Tiere schützenswert sind. Óli beschönigt nicht, verteidigt nicht. Er ist mit dem Walfang aufgewachsen. Dann scheint alles gesagt. Wir gehen noch ein Stück, aber die Luft ist raus. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Irgendwann trennen sich unsere Wege. 
Vor einem der hübschen alten Häuser, die keine Hausnummern kennen, vielmehr nach den Berufen früherer Bewohner benannt sind, treffe ich Miriam Solmunde. Sie grüßt, lacht, mustert mich neugierig. Wir kommen ins Gespräch. Die junge Frau ist allein erziehende Mutter, lebt mit ihrem Sohn hier in Tórshavn. Sie liebt die Altstadt, die Färöer sowieso, obschon vieles schwierig sei. Für eine gute Ausbildung müsse man aufs Festland. Gemeint ist Dänemark. Von dort kommt sie gerade zurück. „Neben der Ausbildung bringen wir auch frische Ideen mit.“ Die Zukunft liege auf den Färöern. Man müsse nur Chancen ergreifen, gestalten. Ja, Tourismus, der sei gut. Die Abgeschiedenheit, die Einzigartigkeit, die landschaftliche Schönheit zieht Naturliebhaber an. Aber es gäbe da noch so viel mehr. 
Zwei, die ihre Nische gefunden, eine Chance ergriffen haben, Tradition und Moderne miteinander verbinden, sind Guðrun und Guðrun. Die beiden Frauen setzen auf färöisches Handwerk und innovatives Design. Seit 2002 gibt es ihr Label. Die Kreationen werden von Heimarbeiterinnen handgestrickt, aus der Wolle genau jener Schafe, die den Inseln ihren Namen gegeben haben. Inspiration finden die Guðruns auch auf dem Festland. Aber erst in der Ruhe und Isolation der Heimat verdichteten sich ihre Ideen zu den ungewöhnlichen, elfenhaften Kleidern, Schals und Pullovern, die man gleich um die Ecke kaufen kann. 
Bewegung und Wandel sei in vielen Bereichen spürbar findet Miriam. So hat am 27. Juli zum ersten Mal eine Gay Pride in der Hauptstadt stattgefunden. Vor einigen Jahren ist das undenkbar gewesen. Im Fenster von Miriams Haus sehe ich Regenbogenfarben. Und ein Schild auf dem „Gay Street“ prangt. Die Färöer seien noch ziemlich traditionell. „Auch, wenn wir zu Dänemark gehören, heißt das nicht, dass wir hier gleich denken, Meinungen oder den Lebensstil vom Festland teilen.“ Dänemark und die Färöer. Dazwischen liegt eine ganze Welt. Zumindest ein Ozean. 
Es ist Mittwoch früh am Flughafen von Vagar. Vorm Schalter von Atlantic Airways bildet sich eine kleine Traube. Draußen hat sich eine dicke Suppe zusammengebraut. Der Flug nach Mykines fällt aus. Auf den Färöern ist der Helikopter quasi Standardtransport zu den entlegenen Inseln. Er fliegt noch, wenn die See zu aufgewühlt ist für den Bootsverkehr. Aber bei Nebel geht eben nichts. Ich solle die Fähre ab Sørvagur nehmen. Sørvagur liegt nur wenige Kilometer weiter in einer flachen Bucht wo die Gezeiten mit kleinen Fischerbooten spielen. Seltsam bunt leuchten sie im Grau des Tages. Die Fähre füllt sich schnell mit Passagieren: Einheimische, Reisende, einige sind mir schon bekannt. Jemand hakt Namen auf einer Liste ab. Die Kommunikation zwischen Flughafen und Fährboot hat offensichtlich funktioniert. 
Die Überfahrt ist eine schaukelige Angelegenheit. Die Aussicht ist einmalig: auf versteckte Wasserfälle, auf tief eingeschnittene Buchten, auf Felsen, die steil aus dem Meer aufragen. Bizarr geformt, bevölkert von Legionen von Seevögeln, die aber auf Abstand bleiben. Nur vereinzelt nähert sich ein Segler unserem Boot, um im Fahrwasser nach Fischen zu jagen.

Am Fähranleger von Mykines erwartet mich Johan. Johan ist dünn wie eine Bohnenstange, trägt ein Hoodie unter seiner Regenjacke und Gummistiefel an den Füßen. Sein Alter lässt sich schwer schätzen. Unter 30. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Geschichten, die er mir später erzählt, reichen für ein ganzes Leben. 
Wir mühen uns einen steilen Pfad hinauf während die Nebelschwaden dichter werden und es anfängt zu nieseln. Auf einmal scheint die geplante Wanderung zum Leuchtturm keine so gute Idee. Stattdessen führt mich Johan zu einem geduckten Haus mit abweisend kleinen Fenstern. „Hier wohnen Ruby und Meinard.“ Johan klopft, öffnet die Tür, ruft, tritt ein. „Komm!“ Diesmal ist es mit dem Schuhe ausziehen etwas mühsam. Wir stehen in einem winzigen Flur von dem Türen nach links und rechts abzweigen. Eine steile Treppe führt nach oben, die Decke ist niedrig. Wir sind schmuddelig, nass. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich Schmutz in ein fremdes Haus trage. Mein Rucksack ist sperrig, die Jacke stört und der Flur ist so eng. Es riecht nach gestern. 
Johan stellt mich vor. Im Gegensatz zu Friðrika wirkt Ruby distanziert. Sie trägt ihr graues Haar kurz, geht gebückt, im Mundwinkel hängt eine Zigarette. Direkten Blickkontakt vermeidet sie. Johan beruhigt mich: „Es ist in Ordnung, dass wir hier sind.“

Während Johan meine Fragen und Rubys Antworten übersetzt, reicht uns die alte Dame Kaffeetassen. Zucker, Löffel, kleine Kuchen werden über die bunte, abwaschbare Tischdecke geschoben. Ich habe es mir auf der Küchenbank bequem gemacht. Der Kaffee ist stark und heiß. 
Seit sie zwei ist, lebt die heute 78-jährige auf Mykines. Rubys Eltern waren damals ums Leben gekommen. Ihre Großmutter nimmt die Kleine zu sich auf die Insel. In einer Kiste. Mit 18 oder 19 heiratet Ruby den sechs Jahre älteren Meinard. Wir blättern durch ein altes Fotoalbum, sehen Braut und Bräutigam vor der Dorfkirche. Ruby im schwarzen Kleid. Sie hat bereits ein Kind von Meinard, da ist Weiß für das Hochzeitskleid tabu. Ein anderes Foto zeigt Meinard zusammen mit Prinzessin Margarete, der heutigen Königin von Dänemark, bei ihrem Besuch auf Mykines. 1970 war das. Die Prinzessin im Trenchcoat mit schickem Kopftuch. Ganz so, wie es damals Mode war. Meinard im schwarzen Anzug mit Fliege. 
Ruby erinnert sich an die 60er, als Mykines einmal für zweieinhalb Monate von der Außenwelt abgeschnitten war. Wegen der Herbststürme. Zweieinhalb Monate ohne frische Vorräte. „Wir haben uns gegenseitig geholfen. Der eine hatte ein Schaf, der andere ein Huhn. Kartoffeln, Kohlrabi und Rhabarber gibt es das ganze Jahr über.“ Und Grind. Über dem kleinen Bach hinter Rubys Haus steht ein Hjallur, eine Trockenhütte. Dort hängen Schafsfleisch, Seevögel und Grindwal. Der Wal ist vom letzten Februar. Ruby hat ihn heute zubereitet. Er ist dunkel, fast schwarz. Die Konsistenz erinnert an gebratene Grützwurst. Grind wird traditionell mit Senf und Pellkartoffeln gegessen. Ein einfaches Gericht. „Ohne den Grind hätten wir den Winter damals nicht überlebt.“

Johan und ich verabschieden uns und machen einen Abstecher zu Katrina Johannesen, die auf Mykines ein florierendes Café betreibt. Erstaunlich bei nur 11 ständigen Bewohnern im Dorf. Ich muss an Gjógv denken und an Friðrika. 
Katrinas Tochter Ronja ist die einzige Schülerin auf der Insel. Der Lehrer wird eingeflogen, unterrichtet die 14-jährige eine Woche lang. Die nächste Woche verbringt Ronja auf einer Nachbarinsel. „Für soziale Kontakte“, erklärt die Mutter. Das Café ist proppenvoll. Im Kristianshús kann man sich bei hausgemachter Fischsuppe aufwärmen, es gibt leckere Sandwiches und Kuchen. „Ich lebe gern hier. Menschen aus aller Welt besuchen uns.“ Der Besucherstrom ist so groß, dass die geschäftstüchtige junge Frau expandieren will. Auf dem Hügel gegenüber sieht man schon das Fundament für ein neues Gästehaus mit Restaurant. Einen Grund von hier wegzuziehen gibt es für Katrina Johannesen tatsächlich nicht. 
Einer der fortging und zurückkam ist Oskar. Wir begegnen ihm und seinem Hirtenhund auf dem Weg zurück zur Fähre. Natürlich kennt man sich. Das ist eben so auf den Färöern. Oskar ist 79 und Schiffsingenieur. Mit 16 ging er zur Ausbildung nach Dänemark und fuhr dann 30 Jahre lang ununterbrochen zur See. Rund um den Globus. Mit 52 war Schluss. Es hat ihn dorthin zurückgezogen, wo er aufgewachsen ist: nach Mykines. „Ich habe die ganze Welt gesehen, aber leben wollte ich immer nur hier.“

© Text und Fotos: Jutta M. Ingala

Wer? Wo? Was?
Die Färöer Inseln erreicht man im Direktflug von Kopenhagen mit Atlantic Airways. Sie lassen sich am besten im Mietwagen erkunden. Eine detaillierte Straßenkarte zahlt sich aus, denn das Navi im Pkw zeigt nur einen großen weißen Fleck im Atlantik. Wer viel Zeit mitbringt und sogar erwägt, bis nach Island weiterzureisen, kann mit dem eigenen Pkw auf der MS Norröna der Smyrill Line an Bord gehen. Auf den Färöern ist ganzjährig mit plötzlichem Nebel zu rechnen, im Herbst gibt es heftige Stürme. Ausführliche Informationen über Land und Leute auf www.visitfaroeislands.com

Auf meiner Reise auf die Färöer Inseln wurde ich von Visit Faroe Islands unterstützt. Herzlichen Dank dafür!

32 Gedanken zu “Stories untold… [Färöer]

  1. Hallo Jutta,
    ein interessanter Artikel! Die Färöer habe ich bisher gar nicht als Reiseziel wahrgenommen. Klingt alles sehr spannend. Hoffentlich bleiben die Inseln von der großen Touristenschwemme verschont, die gerade island überrollt … :/
    Nico

    • Die Insel sind einzigartig. Europa und doch wieder nicht. Im Heute und doch noch im Gestern verhaftet. Es ist ein dankbares Reiseziel für Menschen, die unvoreingenommen die Welt erkunden. Danke für deinen Besuch, viele Grüße, Jutta

    • Das finde ich ganz einfach gut : ) Lieben Dank Jürgen! Freue mich, dass es da draußen in der weiten Welt so viele Liebhaber von kleinen und großen Geschichten von unterwegs gibt. Nicht nur Liebhaber von Reise-Superlativen, sondern auch solche, die die Zwischentöne mögen. Starte gut in die Woche, sonnige Grüße, Jutta

  2. Liebe Jutta,

    wieder ein sehr schöner Bericht. Deine Worte entführen einen wirklich immer mit auf Deine Reisen. Und auch ich finde die S/W Bilder ganz toll und auch wenn Du meinst, dass sie qualitativ besser sein könnten – ich finde so kommt das Ursprüngliche und das Rauhe dieser Landschaft sehr gut raus. Deine Berichte und Bilder schüren immer meine Wanderlust. Und ich denke mir manchmal, dass so ein hartes, aber ursprüngliches Leben nicht das schlechteste sein muss. Sicher würde uns allen das mal gut tun um uns wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zurückkommen zu lassen.

    Ich freue mich dass Du Dich doch zum Schreiben überwinden konntest. Das Thema Walfang ist sicher sehr kontrovers, aber so wie es auf den Faröern gehandhabt wird – wirklich zum Überleben – kann ich es akzeptieren. Was nicht heißt dass ich es gut finde. Ich denke man sollte bei solchen Themen wirklich sehr differenziert alle Seiten beleuchten, so wie Du es hier und in einem Kommentar auch machst. Und wie auch auf den Fotos gut zu sehen ist: Es gibt im Leben nicht nur Schwarz und Weiß, es besteht aus unendlich vielen Grautönen. ;)

    Ich würde mich freuen wenn noch mehr Berichte von den Faröern kommen, oder steht schon der nächste Island-Beitrag in der Pipeline? ;)

    Liebe Grüße aus Berlin,
    Maggie

    • Hallo, liebe Maggie, ich meine auch, dass es zwischen „gut heißen“ und „zu verstehen versuchen“ einen großen Unterschied gibt. Wir können nicht überall unsere eigenen Standards als Messlatte anlegen. Muss man nicht jede Kultur, jedes Volk, ja, jeden einzelnen Menschen dort abholen, wo er steht? Muss man nicht individuelle Umstände, Entwicklung, Historie berücksichtigen? Was wirklich bitter ist: Eine sachliche Diskussion in Bezug auf die Färöer scheint unmöglich. Auch oder vielleicht gerade weil so unglaublich viele falsche Informationen im Umlauf sind. Umso mehr freut es mich, wenn da draußen Menschen unterwegs sind, die sich ihr eigenes Urteil bilden, die gewillt sind, genauer hinzuschauen. Und die wissen, dass es hinter dem Offensichtlichen oft sehr viel mehr gibt. Schön, dass du zu genau diesen Menschen gehörst! Bevor es übrigens die nächste Färöer-Geschichte gibt, lasse ich einmal Island aufleben! Herzliche Grüße nach Berlin und toi toi toi, dass du bald wieder auf den Beinen bist! Jutta

  3. Pingback: Eine Wanderung von Torshavn nach Kirkjubøur

  4. Hallo Jutta,
    das Ganze erinnert mich an Dokumentationen, bei denen sowohl durch Schwarzweiß-Bilder ein Bezug zur Vergangenheit als auch eine gewisse Distanz zum Geschehen erzeugt wird. Nur das hier in deinem Bericht die Ereignisse im Heute stattfinden. Raffiniert. Das gefällt mir sehr gut. Die Geschichte und die Bilder lassen erahnen, dass dies die einzig richtige Darstellungsform ist.
    Mehr davon!
    Eva

    • Hallo Eva, herzlichen Dank für deine spannende Interpretation! Ja, die leichte Distanz bzw. das „Gleichmachen“ durch Schwarzweiß wie ich schon in einem anderen Kommentar sagte, ist tatsächlich gewollt. Ich fand es passend, fand, dass ich den Menschen und ihren Geschichten damit die beste Bühne gebe. Freue mich, dass es auch so wahrgenommen wird. Lieben Dank fürs Lesen und Kommentieren, sonnige Grüße, Jutta

  5. Ach, ist das ein wunderbarer Bericht. Du hast jede Menge interessante Leute getroffen und kannst auf einmalige Art über sie erzählen. Endlich haben wir Ruby ein wenig näher kennengelernt. Vielen Dank dafür. Ich finde auch besonders schön, dass Du den Beitrag ausschließlich mit Schwarzweißfotos gemacht hast. Toll! Die Landschaft wirkt dadurch noch rauer.
    Liebe Grüße. :)

    • Danke dir! der nächste Bericht erscheint wieder in Farbe, aber Schwarz-weiß fand ich hier wirklcih passend. Aus vielerlei Gründen. Zum Beispiel aus diesem: „Things are not quite so simple always as black and white.“ (Doris Lessing) Es gibt noch so viele weitere Geschichten zu erzählen. Meist müssen die Begegnungen gar nicht spektakulär sein. Es genügt, den Menschen einfach zuzuhören! Herzlichen Dank fürs Mitlesen, auf bald! Jutta

  6. Hallo Jutta,

    tolle Eindrück mal wieder! Ich bin immer wieder überrascht, was du für Bekanntschaften auf Reisen machst und beneide dich, um die sicherlich intensiven Eindrücke. Es ist auch spannend zu lesen, wie auf den Färöer das Leben zwischen Tradition und Moderne schwingt.

    Liebe Grüße
    Christian

    • Hallo Christian, danke dir! Ein großes Danke geht da in Richtung Visit Faroe Islands, die einige Kontakte hergestellt haben. Ich hatte dann das Glück, auf wirklich interessante Menschen zu treffen, die mich wiederum zu ihren Freunden und Bekannten mitgenommen haben und einfach selbst viele Geschichten erzählen konnten. Nicht alle tauchen hier auf, aber die Begegnungen bleiben unvergessen. Auf den Inseln gibt es junge, hippe Menschen, die viel gereist sind, die Ideen, Moden, Meinungen von überall auf der Welt mit in ihre Heimat nehmen. Man vernetzt. Aber es gibt eben auch die total abgeschiedenen Orte mit 10, 20, 30 Einwohnern, wo das Leben im Rhythmus der Natur mitschwingt. Der „Geruch nach gestern“ kommt da nicht von ungefähr. Spannend! Es würde euch gefallen! Herzliche Grüße, Jutta

  7. Da sitze ich hier am Morgen mit meinem ersten Kaffee und genieße Deinen Bericht. Zwischen „Das es so etwas noch gibt“ und der Frage „Warum hat Jutta ausschließlich schwarzweiße Fotos genommen?“ pendeln meine Gedanken hin und her. Die Geschichten zu den Menschen machen neugierig und mich ein gutes Stück nachdenklich. Ein wundervoller Bericht über das Reisen ist Dir damit gelungen. Was das reizvollste auf Reisen ist? Nicht nur, wo es die schönsten Aussichtspunkte oder den besten Kaffee gibt – sicherlich vor allem Geschichten von Menschen aus der für einen fremden Welt…
    Danke für den wunderschönen Artikel.

    • Guten Morgen Tanja, und ich da dachte, ich ich hätte gestern schon auf „absenden“ gedrückt! Lieben Dank fürs Mitlesen! Das schönste Kompliment ist immer, wenn meine Berichte einen Impuls geben, innehalten lassen, zum Nachdenken anregen oder einfach einen Ort in ein neues Licht rücken. Schwarz-weiß? Vielleicht weil es allen Portraitierten gerechter wird. Schwarz-weiß rückt sie alle auf eine Ebene. Ich hatte gleich von Beginn an das Gefühl, ich müsse das so machen. Es lässt mehr Raum für die Geschichte hinter dem Gesicht. Manchmal ist es sicher die eine atemberaubende Aussicht, die wir nach Jahren mit einer Reise verbinden, manchmal der unglaublich gute Duft von Kaffee, den wir an einem wunderbaren Ort genossen haben. Und manchmal eben eine Begegnung. Reisen hat so viele Facetten. Ich glaube erst im Zusammelspiel, machen sie uns so reich. Ich freue mich, dass du dir die Zeit genommen hast, in meine Geschichte einzutauchen! Wünsche dir einen fabelhaften Tag, liebe Grüße, Jutta

      • Auch Deine Antwort zeigt: Du schreibst mit so viel Leidenschaft! Danke Dir. Starte Du auch gut in den Tag (wieder mit dem ersten Kaffee, verzückt von Deinen Worten und den Gedanken nachhängend, dass schwarzweiss wirklich mehr Raum für (D)eine Geschichten lässt…)

  8. Toll, Jutta. Vor allem das Hochzeitsfoto auf der Blümchentapete lässt die Gedanken ja fliegen. Genau wie Blubber. Nie gehört! Was das wohl ist? Komm gut in die Woche, Stefanie

    • Guten Morgen Stefanie, lieben Dank, du auch : ) Der Blubber ist der so genannte Walspeck, der das Tier vor Kälte schützt. In den Polarregionen und vor allem beim Tauchen. Er dient auch als Nahrungsreserve und ist minimal wenige Zentimetern bis rund 50 Zentimeter dick. Bei Weibchen sogar noch dicker. Im Überseemuseum in Bremen gibt es gerade eine sehr informative Ausstellung über Wale. Inklusive Blubbber : ) Liebe Grüße, Jutta

  9. Hallo Jutta,

    ich glaube, ich muß nun mindestens den ganzen restlichen Abend an „glänzenden, dick gezuckerten Pfannkuchen“ denken :)

    Ein schöner Artikel, zu dem die s/w Fotos bestens passen. Du hast uns die Färöer-Inseln mit den individuellen Portraits ein Stück näher gebracht.

    Gruß und Dir noch einen schönen Sonntag
    Winfried

    • Hallo Winfried, na, ich hoffe, du magst Pfannkuchen! Lieben Dank fürs Vorbeischauen und Lesen. Und ja, ich hoffe, dass ich die Inseln hier und da in ein anderes, neues Licht rücken kann. Beim nächsten Artikel dann wieder in Farbe. Wünsche dir einen schönen Abend, bis bald, Jutta

  10. Es ist gut, dass Du mit diesem Artikel verschiedene Facetten der Färöer Inseln beleuchtest und auch kontroverse Themen nicht ausblendest. Die Stimmung, die dort zwischen Resignation und Aufbruch, Traditionsverbundenheit und Fortschritt herrscht, ist wunderbar eingefangen. Ich mag diese wilden abgelegenen Inseln voller Geschichten, Ecken und Kanten, und wettergegerbten, sturmerprobten Persönlichkeiten. Und ich mag die Schafe, aus deren Wolle Pullover handgestrickt werden. Und ich mag deine Fotos, in denen sehr viel mitschwingt, was Du uns nicht erzählst. Grossartig.

    • Herzlichen Dank Sabine! Eien Auseinandersetzung lohnt sich. Immer. Mit jedem Ort, mit den Menschen und ihren Geschichten. Ich freue mich, dass nicht jeder die wunderschönen, entlegenen Inseln auf nur eines reduziert. Auch wenn das Thema Walfang viele berührt und betrübt. Die Fotos hätten besser ausfallen können… : ) Übrigens ist mein Sensor nun wieder frisch. Liebe Grüße und habt eine wunderschöne Zeit im hohen Norden! Jutta

    • Danke dir Simone! Hätte alles ein wenig besser ausfallen können : ) Aber der feine Nebel und der fehlende Tripod drinnen… Nun ja … Schön, dass du vorbeigeschaut hast! Liebe Grüße, Jutta

  11. Ein wirklich informativer Text und eine schöne Kombination mit den Bilder. Und zum Walfang: Gegen die Jagd zur Selbstversorgung kann doch nicht wirklich jemand etwas haben?

    • Lieben Dank! Das mit dem Walfang ist etwas kompliziert: Grindwale leben in größeren Gruppen. Bei der Jagd werden also ganze Schulen getötet, nicht nur einzelne Tiere. Das ist eines. Hinzu kommt, dass die kleine Gesellschaft sich kaum gegen Aktivisten wehren kann. Die Jagd findet ja öffentlich statt, kann leicht von Beobachtern / Medien dokumentiert werden. Bilder – die natürlich blutig sind – zirkulieren in der internationalen Presse. Leider meist von verfälschten oder gar unwahren, manipulativen Berichten (im vergangenen Herbst hat sogar die „Welt“ falsch berichtet) begleitet. Eine sachliche Auseinandersetzung findet hier leider kaum statt. Norwegem oder Japan, wo Walfang kommerziell betrieben wird, können sich weitgehend abschotten und sich einer Kritik weitgehend entziehen. In Indonesien wird Walfang betrieben, in Island, in vielen Ländern. Ich heiße das nicht gut, aber ich finde es schade, dass die Färöer oft auf dieses eine Thema reduziert werden. Und weil die Gemeinschaft der Färinger so klein ist, kann sie sich kaum dagegen wehren. Es sind wunderschöne Inseln, interessante Menschen mit reicher Kultur. Eine intensivere Auseinandersetzung lohnt sich! Sonnige Grüße, Jutta

Heraus mit der Sprache! Ich sehe es wie Karl Popper: "Der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab."

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