Flirt for a day: Rendezvous mit Werner [Niederlande]

Monsieur läuft mir davon. Er läuft und läuft und läuft. Tagein, tagaus, bevorzugt durch die Wälder und immer wieder nach Holland. Ich argwöhne, dass er irgendwann nicht mehr heimfindet. Monsieur ist mein Mann und ein „Runaholic“. Das war er übrigens nicht immer. Leider halte ich da einfach nicht mit. So sehr ich mich bemühe, irgendwo zwischen 5 und 10 Kilometer ist einfach Schluss. Jämmerlich. Ich befürchte, dass meine gerade aufkeimende Liebe zum Laufen schon sehr bald wieder erlischt…Der Strand für uns allein Nur ein paar Möwen leisten uns Gesellschaft
Dabei habe ich durchaus Ausdauer. Schickt mich wandern oder rauf auf einen Berg – Monsieur braucht es flach, Berge sind ihm nicht geheuer – kein Problem! Auch auf dem Rad bin ich ziemlich gut unterwegs…
Heute übrigens im schönen Leiden in den Niederlanden. Monsieur begleitet mich. Wir haben die Räder in den Wagen geladen, um bis nach Südholland zu fahren. Mit dem Zug wäre die CO2-Bilanz sicher besser ausgefallen, aber manchmal müssen Pläne einfach geändert werden. Früher Transportmittel für Kaffee-Säcke
Es ist mein erster Flirt mit der Stadt, wo sich Oude Rijn und Nieuwe Rijn wiederfinden. Hier wurde Rembrandt geboren, hier wurden 1575 die Universiteit Leiden, die älteste Universität der Niederlande gegründet. 15 Jahre später der Hortus Botanicus, wo seit 1601 ein und derselbe Goldregen blüht. Erstaunlich! Werner's
Leidens Innenstadt ist durchzogen von schönen Grachten, an denen sich stattliche Patrizierhäuser aufreihen. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, in einem zu wohnen? Die Häuser erinnern an den Wohlstand, den Leiden einst durch Tuchhandel erlangte und an die kulturelle Blüte nach dem Achtzigjährigen Krieg, als sich zahlreiche Wissenschaftler und Künstler in Leiden niederließen. Der Beginn des Goldenen Zeitalters. Industrie-Charme Tagesmenü
Auch nach stundenlangem Erkunden der Stadt habe ich kein einziges Foto geschossen. Zum Fotografieren muss ich wohl bald hierher zurückkehren. Diesmal will ich einfach nur schauen. Und Monsieur ist auch viel zu ungeduldig, um lange an einem Ort zu verweilen. Kaffee-Säcke mit neuer Bestimmung
Wir radeln also weiter in Richtung Küste nach Katwijk aan Zee. Den Strand müssen wir uns um diese Jahreszeit nur mit einer handvoll Spaziergänger und ein paar Möwen teilen. Für meinen Filius sammle ich Muscheln, eines der wenigen Souvenirs, die ihm und mir gefallen. Ich freue mich über die Stille und das schöne Blau der Nordsee. Ja, auch die Nordsee kann Blau. Es ist sonnig, es ist wunderbar warm, ein herrlicher Frühlingstag. Wir haben großes Glück. Und große Sehnsucht nach einem Platz in einem Straßen-Café. Treibholz
Während wir suchend durch die Sträßchen schlendern, fange ich Werners Blick auf. Etwas abseits der Promenade lehnt er blässlich, aber mit gewinnendem Lächeln an einer Ecke. Er ist in Vintage gewandet und hat ganz offensichtlich eine Vorliebe für hausgemachte Leckereien. Werner rückt aufmerksam einen Tisch und Stühle zurecht, damit Monsieur und ich in der Sonne Platz nehmen können. Er verführt mich mit einem Stück „Appeltaart met slagroom“, dem typisch holländischen Apfelkuchen mit Rosinen und Zimt und einer dicken Haube Schlagsahne. Er zeigt mir stolz die appetitlichen Muffins, Brownies & Co. unter nostalgischen Glashauben und die exotischen Tees, die so dekorativ in Weckgläsern aufbewahrt werden. Er zeigt mir die alten Industrieleuchten und die ausgedienten Kaffee-Säcke, die ihre neue Bestimmung als Wandbehang gefunden haben. Werner hat einen Charme, dem ich gleich verfalle. Wie gut, dass Monsieur draußen in der Sonne schlummert. So kann ich ausgiebig mit Werner flirten. Oh, Pardon: Werner’s! Zweckentfremdet
Lust auf „Koffie en appeltaart“ (= Kaffee und Apfelkuchen)?
Apfel- und Karottenkuchen, Brownies und Bagels – alles hausgemacht – gibt es bei Werner’s
Espressobar Werner’s
Voorstraat 36c
2225 ER Katwijk aan Zee
Niederlande
T 0031 (0) 71 4015169
www.espressobarwerners.nl

35 Gedanken zu “Flirt for a day: Rendezvous mit Werner [Niederlande]

  1. Du machst mir Lust auf Holland. Bisher hatte ich nicht so tolle Erfahrungen – vor allem in Amsterdamm – gemacht, aber bei dem was du hier schreibst und zeigst, würde ich mich auf einen Versöhnungstripp glatt einlassen. Danke für diese Inspirationen.

    • Hi Claudia, ein, zwei Negativerlebnisse können einem die Lust auf einen Ort oder ein Land natürlich ganz schnell nehmen. Ich bin im Grenzgebiet aufgewachsen und mag meine Nachbarn sehr, obschon es natürlich auch für mich das ein oder anderen unschöne Erlebnis im Laufe vieler Jahre gab. Aber das hat man ja zuhause auch: Da eckt man mit einem Menschen an oder wird über den Tisch gezogen oder, oder, oder… Wäre toll, wenn du Holland eine neue Chance gäbst: Es gibt dort so viel Schönes zu entdecken und man kann so viel Spaß haben! Groetjes, Jutta

  2. Pingback: Die tätowierte Stadt | 6 Grad Ost

  3. Gut ist es zu lesen das so vielen unseres östlichen Nachbarn Lust haben in Holland und appeltaart. ;) Leuk en lief geschreven, Nederland kan wel meer „flirtende“ blogs gebruiken.

    Groet, Ruud.

      • Jutta, jij bent vroege vogel!
        Hartelijk dank voor je antwoord met de bijbehorende links.

        Aan iedere ‚oosterbuur‘ die dit leest en begrijpt: kom gerust naar Alkmaar, kaashoofdstad en heel dicht bij de Noordzee kust…
        Veel plezier alvast!
        Jutta, jij ook een heel prettig weekend gewenst!
        Groet, Ruud

      • Ja, Ruud, dan kan ik er langer van de dag genieten! Alkmaar ken ik nog niet, maar zal ik heel graag willen leren kennen! Groetjes, Jutta

    • Hallo Jens,
      lieben Dank fürs „Vorbeischauen“! Wie schön, dass auch ganz nahe Orte das Fernweh wecken können. Bist du auch ein Holland-Fan? Ich in jedem Fall! Sonnige Grüße, bis bald,
      Jutta

  4. Tolle Fotos, Jutta. Da würde ich gerne auch wieder ans Meer, aber ich darf nicht jammern. Am Samstag durfte ich mit einem Schnellkatamaran von Wien nach Bratislava rauschen. :D

    • Danke dir für das Kompliment, Christina! Mit einem Katamaran über die Donau? Cool – hört sich interessant an! In Breslau war ich leider noch nicht : ) Sonnige Grüße, Jutta

  5. Tolle Fotos und jaaaa….bitte einmal Kaffee und Apfelkuchen für mich. :) Holland ist echt immer toll. Ich glaube ich muss dringend mal wieder ein verlängertes Wochenende dort einlegen. GlG, Nadine

    • Nicht wahr, Nadine? Holland ist immer ein lohnendes Ziel. Aber ich würde sagen dein anstehender Schottland-Trip ist gerade ein Tick reizvoller! Habt eine gutes Reise und eine tolle Zeit dort, liebe Grüße, Jutta

  6. In Leiden war ich auch noch nicht. So, wie du es beschreibst, ist die Stadt und Werner’s auf jeden Fall eine Reise wert. Schön sind die Bilder wieder alle, aber das 2. Foto ist mein Liebling, Mann & Möwe im Schlepptau ;-)

    • Guten Morgen und lieben Dank! Ja, Leiden möchte ich unbedingt bald wieder besuchen: die Hofjes, Rembrandts Geburtshaus und, ach, einfach das Flair genießen. Bei all den alten Gemäuern darf man nicht vergessen, dass Leiden ja vor allem eine Studentenstadt ist und dementsprechend auch ganz jung! Ja, der Mann und die Möwe haben was: Für mich ist es wie die hoffnungslos Verliebte, die ihrem Schwarm nachläuft! Wünsche dir einen schönen Tag,
      Jutta

  7. Was soll ich sagen, ich mag deine Fotos.

    Und deinem Mann werde ich nie vergessen, dass er dich nicht zu Halbmarathon in Kopenhagen geschleift hat ;)

    Liebä Gruess us dr Schwiz
    Simon

    • Ach Simon, konnte er gar nicht: Monsieur hatte kein Ticket für Kopenhagen! Und lieben Dank wegen der Fotos: Freue mich immer ungemein über ein Lob, gerade wenn es aus berufenem Munde kommt! Wobei diese sicher besser gingen: aus der Hand, ohne Stativ und mit einem ziehenden und zupfenden (aber ganz lieben) Mann auf den Fersen war das eine ziemlich hektische Aktion. Ich muss unbedingt zurück: nach Leiden und ans Meer. Zum Schauen und zum Fotografieren! Holland hat was :) Wünsche euch einen entspannten Abend, liebe Grüße,
      Jutta

    • Danke dir Sarah!
      Werner’s ist wirklich einen Besuch wert. Übrigens habe ich gerade erfahren, dass heute der „dag van de Duitse taal“, also der „Tag der Deutschen Sprache“ ist. Passt irgendwie zum aktuellen Holland-Blogpost, oder? Sonnige Grüße,
      Jutta

  8. hmmm, da bekomme ich sofort Lust auf ein Stück Apfelkuchen mit Schlagsahne und auf einen Trip nach Holland. Sehr schöne Fotos machen Lust mal hinzufahren!

    • Hallo Synke, lieben Dank!
      Holland – oder die Niederlande – sind ja so klein und dichtgedrängt mit 1001 schönen Orten. Vieles liegt gleich vor der (meiner) Haustür, da lohnt ein Ausflug immer. Man muss nicht unbedingt in die Ferne reisen, um Schönes zu erleben, nicht wahr? Obschon die natürlich auch lockt! Aber so eine echte „Appeltaart“, die gibt es eben nur in Holland. Wünsche dir einen schönen Tag,
      Jutta

Heraus mit der Sprache! Ich sehe es wie Karl Popper: "Der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab."

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