Saustark [Momentaufnahme]

Tote Tiere in der Stadt: Sie hängen kopfüber, liegen auf dem Rücken oder sind halb verrottet. Überdimensional und (meist) schwarz-weiß gestrichelt kriechen Ratten, Hasen und anderes Getier über Häuserwände in Berlin und London, Köln oder Brüssel. Werke des Belgiers ROA
Was für den einen Vandalismus ist, nennen andere Kunst. ROA nutzt den öffentlichen Raum als Leinwand, bemalt kahle Fassaden, Schuppen, Türme und Bretterzäune. Seine Tiere erzählen faszinierende Geschichten. Auch wenn sie meist vom Tod handeln.

Meinen ersten ROA habe ich vor einigen Wochen in Brüssel entdeckt. Ganz unvermittelt in einer Seitengasse. Vier feiste Schweine. Tot oder lebendig? Schwer zu sagen. Am Ende der Gasse residiert eine Metzgerei. 
Geschichten auf Fassaden pinseln ist etwas anderes als wilde Schmierereien an schmuddeligen Brückenpfeilern. ROA, Bansky & Co. machen Kunst. Mal subversiv, mal ganz poetisch. Gerade gefallen mir auch die Murals des Australiers Guido van Helten unheimlich gut. Mehr über Guido van Helten und Spuren, die er in Reykjavík hinterlassen hat, in Kürze jetzt auf dem Blog: No Exit

Und außerdem in Brüssel? Hier hat sich nicht nur ROA verewigt, den wahren Helden der Stadt ist ein ganzer Themenspaziergang gewidmet. Populäre belgische Comic-Figuren als Murals im XL-Format: Life is a comic (s)trip.

Wer es poetischer mag, reist ins niederländische Leiden, wo unzählige Gedichte – die „Muurgedichten“ – an Häuserfassaden auf Leser warten: Die tätowierte Stadt.

Foto als XL-Print auf Aludibond? Gibt es bei Cewe.

© Text und Fotos: Jutta M. Ingala

30 Gedanken zu “Saustark [Momentaufnahme]

  1. Die Graffiti fand ich bei meinem Besuch in Brüssel auch sehr interessant. An den schlafenden Schweinen bin ich auch vorbeigekommen und habe sie fotografiert. Nur an das eine, einsame – ganz links im Eck – kann ich mich nicht mehr erinnern. Ob es später dazugekommen ist?

    • Leider konnte ich gar nicht so viel die Graffitis von ROA herauszufinden und über die Scheine hier eigentlich gar nichts. Ich vermute, dass alles zusammen entstanden ist und kann mir vorstellen, dass man das etwas abgerückte Bild zuerst oder überhaupt nicht wahrnimmt, weil es sich in dem verengten Eingang zur Gasse befindet. Spannend finde ich, dass die ganzen Graffitis, Murals etc. einem so unerwartet „anspringen“. Stopper mitten in der Stadt. Ist doch klasse, oder? Sonnige Grüße, Jutta

      • Schade – ich habe mir zu den Schweinen leider auch nichts notiert. Habe gerade in meinen Aufzeichnungen nachgesehen. Stimmt, man kommt um eine Ecke und „paff“ ist ein riesiges Gemälde vor Dir. :-)

        Und manchmal muss man danach suchen und genau schauen. Zum Beispiel eine (riesige) Spinne auf einer Hauswand, die man nur vom Bahnhof Kapellekerk aus sieht.

      • Die kenne ich noch nicht! Sofort notiert: Da muss ich beim nächsten Besuch die Augen offen halten. Danke für den Tipp! Jutta

  2. So wird doch jede Hauswand schön.
    Ich bin immer wieder fasziniert wie man so etwas auf eine Hauswand malen kann. Mir fällt das schon schwer auf Papier zu zeichnen… ;))

    • Guten Morgen Simone, einige der Street Artists – also nicht die Brücken-Schmierfinken : ) – sprayen und malen ja sogar spontan und ohne Vorlage! Für mich ist das wirklich eine Kunstform. Im Fall von ROA finde ich interessant, dass er es trotz Beschränkung auf (meist) Schwarz und Weiß und nur grober Strichelung schafft, den Tieren einen so starken Ausdruck zu verleihen. Hast Münster eigentlich ein paar schöne Murals? Hab einen schönen Tag, Jutta

  3. Das ist ja ’ne schöne Sauerei! Nein, im Ernst: tolles Motiv. Und auch, wenn hinter vielen Kunstwerken noch tiefere Botschaften stecken. Ganz oft sind sie doch einfach nett anzusehen und eine wahnsinnige Bereicherung für das Stadtbild. Von mir aus könnte es kaum genug davon geben. Tel Aviv war (für mich überraschend) auch eine wahre Fundgrube für Streetart. Deutschland hat da (gefühlt) noch ein bisschen Nachholbedarf – oder war ich bisher einfach noch nicht an den richtigen Stellen?

    • Beatrice, im ersten Augenblick habe ich jetzt einen Schrecken bekommen :) Ja, auf jeden Fall sind es „Stopper“. Egal ob man sich nun länger damit auseinander setzen möchte oder nicht. Und – wie du auch sagst – eine Bereicherung für das Stadtbild, denn das, was ich bisher an für meinen Geschmack guter, interessanter Streetart gesehen habe, hat kahle, hässliche Flächen aufgehübscht. Ist vielleicht nicht immer so… Hast du die Streetart aus Tel Aviv bei dir auf dem Blog? Ich stöbere am besten gleich mal! Übrigens steht der ROA-Hase in Köln jetzt ganz oben auf meiner „Möchte-ich-so-gerne-sehen“-Liste. Hast du schon einen Abstecher dorthin gemacht? Sonnige Grüße nach Aachen, Jutta

      • Bisher kenne ich den Kölner ROA-Hasen auch noch nicht, aber das sollte sich bei einem meiner nächsten Besuche ändern lassen. Die Streetart aus Tel Aviv habe ich bisher nur mal auf Instagram & Co. eingestreut. Vielleicht lohnt es sich, daraus noch mal einen Extra-Beitrag zu machen, mal sehen….

  4. Ich kenne und weiß zu wenig von ROA und seiner Herangehensweise an seine Kunstwerke (die mir jedoch auf gut gefallen), aber zumindest bei Banksy steckt meist eine Botschaft in seinen Kunstwerken oder Aktionen. Man denke z.B an den Schweinelaster in New York um auf grauenhafte Tiertransporte aufmerksam zu machen …

    • Hallo Eva, auch bei ROA stecken gleich eine ganze Reihe von Botschaften hinter den einzelnen Werken und vielleicht geht es bei den Schweinen von Brüssel in die Richtung, die du angesprochen hast. Leider habe ich über dieses Mural nichts Näheres herausgefunden. Ein interessantes Interview mit ROA gibt es hier: Street-Artist ROA im Interview. Daraus stammt auch dieses Zitat auf die Frage, warum er immer wieder Tauben, Ratten, Hasen abbildet: „Dazu ist es interessant, dass die Tiere, die die meisten als schmutzig betrachten, die einzigen sind, die man dort sieht wo Menschen leben.“ Liebe Grüße, Jutta

    • Ulricke, endlich jemand, der sich dazu bekennt! Heute muss man ja beinahe vorsichtig sein, wenn man sich als Liebhaber von Schnitzel & Co. outet. Ganz abgesehen davon: Schweine sollen sehr sensibel sein. Hier im Münsterland bevölkern sie ab Frührjahr die Wiesen und von all den verschiedenen Rassen mag ich die borstigen, scharz-weißen am liebsten! Sonnige Grüße, Jutta

      • Das kenne ich! Ich glaube mich manchmal umzingelt von sendungsbewussten Veganern.Dabei soll es in Deutschland nur rund 900.00 Veganer geben. Für mich sind es aber eher gefühlte 20 Millionen!
        Meine allerliebsten Lieblingsschweine sind die kleinen asiatischen Hängebauchschweine. Absolut süß, die Ferkel!

  5. Bis vor kurzem wusste ich nicht was ROA bedeutet oder dahinter steht. Mich faszinieren diese Kunstwerke auch immer wieder – allerdings sehr selten live unterwegs entdeckt…
    Freue mich auf weitere Artikel von Dir zu ROA

    • Hallo Tanja, das ging mir genauso! Zum ersten Mal habe ich bei Köln Format in dem Artikel über Doel über ROA gelesen. Inzwischen weiß ich, wo ich nach ihm suchen sollte, aber gesehen habe ich bisher tatsächlich nur dieses eine Mural in Brüssel. Und das war ganz zufällig während meines Streifzugs durch die dortige Comic-Landschaft! Sonnige Grüße, Jutta

  6. Zum Glück sind es nur gepinselte Werke (ansonsten wäre mir das Frühstück wieder hoch gekommen). Ich habe mir schon gedacht, jetzt kommt so etwas Ähnliches wie die Ausstellung mit den ausgestopften Tieren, die du schon einmal besucht hast.
    Diese Art von „Art“ von ROA gefällt mir und ich bilde mir ein sie handelt nicht vom Tod, sondern dass die Schweinchen ruhig schlafen. Das ist eine schönere Vorstellung. ;)

    • Oh, je, Christina, kannst du dich noch an den Bericht erinnern? Ich fand „Nature Rewired“ ja ziemlich spannend, aber es ist definitiv nichts für Menschen mit einem großen Herz für Tiere! Ja, hier darf man sich die Schweine schlafend vorstellen, aber ich muss dich warnen: Es gibt auch ein paar ROAs, die weniger appetitlich sind. Trotzdem meine ich, dass seine Art der Darstellung schon auch Distanz erzeugt. Auf jeden Fall sind seine Ideen spannend, auch die Orte, die er sich als „Leinwand“ dafür aussucht. Ich hoffe, das Frühstück hat nun doch geschmeckt ) Liebe Grüße, Jutta

  7. Ich finde solche Kunstwerke auch sehr interessant und belebend für eine Stadt. ich freue mich jetzt schon auf Deinen Beitrag zu Guido von Helten in Reykjavik. Dort gibt’s ja auch so wunderbare Fassadenkunstwerke! Liebe Grüße.

    • Belebend ist das Stichwort! Man stolpert ganz unvermittelt darüber und jeder, der mag, kann sich damit auseinandersetzen. Es hat etwas Zwangloses und gerade das finde ich gut. Herzliche Grüße, Jutta

  8. Da wo es hinpasst, finde ich so etwas richtig schön und oft auch anziehend. Auch wenn am anderen Ende der Straße ein Metzger wartet, bilde ich mir ein, dass die Schweine auf dem Bild friedlich schlafen. ;-)
    Herzliche Grüße,
    Claudia

    • Hallo Claudia, ja, das ist natürlich ein Punkt: Wenn Fassaden für das Kunstwerk annektiert werden, ist das nicht immer so gut. Oft handelt es sich aber um „verwaiste“ Flächen (was per se natürlich zu nichts berechtigt) und immer häufiger werden die Künstler sogar eingeladen (und teuer bezahlt), um bestimmte Flächen kreativ zu gestalten. In Kürze wird es dazu einen Beitrag im Blog geben. Nicht selten werten die Werke berühmt gewordener Street Artists ganze Straßenzüge auf oder lassen einen regelrechten Mikro-Tourismus entstehen. Ich finde das überaus spannend. Außerdem ist es eine Kunstform, die zugänglich ist. Nicht nur, weil sie sich im öffentlichen Raum manifestiert. Sie spricht einfach auch eine ganz neue, andere Gruppe von Menschen an und sorgt auf jeden Fall für Gesprächsstoff. Sonnige Grüße, Jutta

      • Liebe Jutta,
        da hast du natürlich recht. Teilweise sind wirklich erstaunliche Kunstwerke dabei, die völlig faszinieren. Ich finde, dass sie eine Stadt richtig lebendig machen können und wenn so ein kleiner Tourismus entsteht, muss das ja nicht zwangsläufig schlecht sein, im Gegenteil.
        Herzliche Grüße,
        Claudia

    • Good morning, Ronni, you are always the first to comment on my blogposts: Much appreciated! I love murals as you know. Remember the beautiful work by Guido van Helten near the old the harbour in Reykjavík? Or the „viking in a wheelchair“ in the abandonned house near Höfn? Have a great day, Jutta

Heraus mit der Sprache! Ich sehe es wie Karl Popper: "Der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab."

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