Liebe auf den ersten Blick [Heidelberg]

Mit Heidelberg und mir war es Liebe auf den ersten Blick. Kein heißer Flirt, sondern eine dauerhafte Beziehung. Wir hatten eine tolle Zeit. Dabei bin ich damals ziemlich blauäugig in die Neckarstadt gefahren, habe mich eingeschrieben – Am besten irgendetwas mit Sprachen und Literatur?! – und mich erst dann gefragt, wie es wohl um den Wohnungsmarkt bestellt ist. Ganz nach dem Motto: Hier bin ich, hier bleib ich, ein Bett wird sich finden. Tatsächlich hielt ich nur wenig später einen Zettel mit einer viel versprechenden Adresse in der Hand: fußläufig zur Uni, Nähe Philosophenweg. Leider gänzlich in 70er-Jahre-Braun und -Orange gewandet. Ich habe mir selbst versichert, dass man mit Pinsel, Farbe und Fantasie durchaus etwas gegen „Retro ohne Charme“ ausrichten kann und bin abends mit einem gewichtigen Mietvertrag in der Tasche heimgefahren. 
Weiterlesen

Wie ein galoppierendes Pferd [Frankreich]

« …à la vitesse d’un cheval au galop » Der Schriftsteller Victor Hugo soll diese poetischen Worte gefunden haben für die Flut, die den Mont Saint Michel im Wechsel der Gezeiten umbrandet und aus dem kleinen Klosterberg eine Insel macht. In Wahrheit wird der Mont Saint Michel heute nur selten völlig vom Meer umspült, aber imposant ist er auch so. Frankreich-Normandie-Raps-6GradOst_MG_1403
Weiterlesen

Streifzüge durch den Pott [2] – Alles altes Eisen

Aufstieg, Blüte, Niedergang. Am 4. April 1985 ist alles Geschichte. Nur die Landschaft ist nicht mehr wie sie war. 84 Jahre nach Gründung durch August Thyssen ist Schicht im Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Auf 200 Hektar gammeln die mächtigen Industriebauten nun vor sich hin. Und die Natur schlägt zurück.  Weiterlesen

An Leidens Grachten

Die tätowierte Stadt [Leiden]

Monsieur hat unlängst die Branche gewechselt: von Heavy Metal zu Samt und Seide. Himmel! Pulsbeschleuniger für jedes Frauenherz. Ich träume heimlich, dass wir nach 14 Ehejahren nun endlich gemeinsam durch die Edelboutiquen dieser Welt streifen oder – ungleich besser – durch schicke Vintage-Läden. Während ich meinen Gedanken nachhänge, balanciere ich am Kanal entlang, zwischen parkenden Autos hindurch, um das ein oder andere Haus am gegenüberliegen Kai abzulichten. Das will nicht so recht gelingen: Es ist diesig und am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Über Leiden färbt sich der Himmel grau. An Leidens Grachten Weiterlesen

Goldglänzend: Kunst von James Lee Byars

Von Revoluzzern, Kunst und Kräuterkunde [Niederrhein]

Geschichtsträchtig ist der Landstrich zwischen den Niederlanden und Westfalen, eng an den großen Fluss geschmiegt, mit dem er sich den Namen teilt: der Niederrhein. Fluss und Land sind natürlich zwei paar Schuhe. Verlobt sind sie, aber nicht verheiratet. Während der Strom weiterzieht, ist die Landschaft eine schöne Konstante, die den Besucher mit einer überwältigenden Grenzenlosigkeit empfängt. Sprichwörtlich. Denn wo die Region Niederrhein beginnt und wo sie endet, das weiß niemand so ganz genau. schloss-moyland-mohn-2 Weiterlesen

Island, du Schöne

Island, du Schöne, du verführst mich immer wieder! Was ist es nur, was mich und so viele andere fasziniert? Dass dir jeder, der dir einmal begegnet, verfällt? Sicher, du geizt nicht mit Superlativen. Aber was du kannst, können andere sogar noch besser. Trotzdem bist du unwiderstehlich. 
Weiterlesen

Himmel über Texel

Komm, wir fahren ans Meer! [Texel]

„Komm, wir fahren ans Meer!“ „Wann?“, will Monsieur wissen. „Morgen. Das Wetter wird fabelhaft!“ Texel-Nordsee_MG_6390-2
Am Ende sitze ich allein im Auto. Gut gelaunt, das Radio spielt. Aus vollem Halse trällere ich die niederländischen Schlager mit. Ich kenne sie alle. Schließlich bin ich im Grenzgebiet aufgewachsen und das, was aus Holland zu uns herüber kam, war hip. Auch wenn es das Wort damals natürlich noch nicht gab. Heute sind die Schlager alles – außer hip. Doch was soll’s? Wir sind ja unter uns. Und Schnulzen dürfen auch mal sein.  Weiterlesen

Streifzüge durch den Pott [1] – Tiger and Turtle

Heute heißt der Kohlenpott ganz uncharmant Metropole Ruhr. „Zu Marketingzwecken“, so die offizielle Begründung. Dabei gibt es so viele Metropolen, den Pott aber nur einmal. Der neue Name klingt nicht nur langweilig, er scheint auch mit der Geschichte abgeschlossen zu haben. Mit Bergbau und Verhüttung, mit Zechen, Hochöfen und dem Russ in der Luft, der einst alles mit einem schmierigen Film bedeckte. Und auch mit der Emscher, die in den 1950er Jahren zur Kloake der Region verkommen war. Darauf war niemand stolz. Verständlich. Tiger and Turtle - Achterbahn aus Stahl
Weiterlesen

DC-3 - statt Cockpit ein klaffendes Loch

Was vom Tage übrig blieb [Island]

Am 21. November 1973 ist das Wetter im Süden Islands schlecht. Die Wolken hängen tief, ein Sturm peitscht die Küste unbarmherzig und wirft meterhohe Wellen an Land. Grau in Grau die Landschaft, Himmel und Ozean werden eins und auch das Geröllfeld Sólheimasandur hebt sich kaum noch ab. DC-3 - das Wrack 41 Jahre später
Für die Besatzung der Douglas R4D-8 17171, einem US-Militärflugzeug auf dem Weg nach Westen, ein Alptraum. Der Funkkontakt zur Basis ist längst abgebrochen, die Tanknadel hängt am unteren Anschlag. Bald wird es Nacht. Der Pilot setzt zur Notlandung an. Weiterlesen

Im Werner's

Flirt for a day: Rendezvous mit Werner [Niederlande]

Monsieur läuft mir davon. Er läuft und läuft und läuft. Tagein, tagaus, bevorzugt durch die Wälder und immer wieder nach Holland. Ich argwöhne, dass er irgendwann nicht mehr heimfindet. Monsieur ist mein Mann und ein „Runaholic“. Das war er übrigens nicht immer. Leider halte ich da einfach nicht mit. So sehr ich mich bemühe, irgendwo zwischen 5 und 10 Kilometer ist einfach Schluss. Jämmerlich. Ich befürchte, dass meine gerade aufkeimende Liebe zum Laufen schon sehr bald wieder erlischt…Der Strand für uns allein Nur ein paar Möwen leisten uns Gesellschaft
Dabei habe ich durchaus Ausdauer. Schickt mich wandern oder rauf auf einen Berg – Monsieur braucht es flach, Berge sind ihm nicht geheuer – kein Problem! Auch auf dem Rad bin ich ziemlich gut unterwegs… Weiterlesen